Mit der neuen S2k-Leitlinie „Akute psychosoziale Belastung nach schwerwiegenden Ereignissen“ liegt eine umfassend überarbeitete fachliche Orientierung für die Versorgung von Menschen nach außergewöhnlich belastenden Ereignissen vor.
Die Leitlinie richtet sich an alle Berufsgruppen, die an der Versorgung akut psychisch belasteter Menschen beteiligt sind – darunter Allgemeinmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychologische Psychotherapie, klinische Psychologie, Psychosoziale Notfallversorgung und Krisenintervention sowie Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und psychosoziale Kräfte der Bundeswehr.
Eine zentrale Neuerung ist der konsequente Blick auf akute Belastungsreaktionen als häufig normale psychophysiologische Reaktionen nach schwerwiegenden Ereignissen. Zugleich beschreibt die Leitlinie, wann Unterstützung sinnvoll ist, wann weiterführende Diagnostik oder Behandlung erforderlich wird – und welche Interventionen vermieden werden sollten.
Erstmals enthält die Leitlinie eigenständige Empfehlungen für Kinder und Jugendliche sowie für Einsatzkräfte. Für Einsatzkräfte werden unter anderem vorbereitende Maßnahmen, frühe psychosoziale Unterstützung, Monitoring und bedarfsgerechte Weitervermittlung behandelt; psychologisch fokussiertes Debriefing wird ausdrücklich nicht empfohlen.
An der Leitlinienarbeit war Prof. Dr. med. Olaf Schulte-Herbrüggen, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, als Mandatsträger der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) beteiligt.